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Bild Robert Blum - ein Demokrat, Revolution├Ąr und Freigeist

Robert Blum - ein Demokrat, Revolution├Ąr und Freigeist

Kategorie:
Religionskritik
Bestellnr:
20991
Autor:
Volker Mueller (Hg.)
Ausf├╝hrung:
103 S., kart.
ISBN:
978-3-933037-58-9
Verlag:
Angelika Lenz Verlag

8,90 €*
*incl. 7% MwSt


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Inhalt:

Robert Blum wurde zum berühmtesten Märtyrer der 1848er Revolution. Er machte sich einen Namen als Redner, Vereinsgründer und politischer Autor. Das vorliegende Buch beleuchtet Robert Blums Wirken für die Entstehung der neuen Religionsbewegung als Opposition zur katholischen Kirche. Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften hat das Jahr 2007 als Robert-Blum-Jahr ausgerufen, um den vor 200 Jahren geborenen Freigeist Robert Blum zu würdigen. Der DFW und seine Mitgliedsverbände haben in Zusammenarbeit mit der Freireligiösen Gemeinde Berlin Robert Blum in einer zentralen Festveranstaltung und in einer wissenschaftlichen Tagung als standhaften Demokraten, Freiheitskämpfer und Revolutionär und als Freireligiösen gewürdigt. Ihre Ergebnisse und die Vorträge werden in diesem Buch dokumentiert.


Rezension:

Aus "Jahrbuch 2008 III für Forschung zur Geschichte der Arbeiterbewegung", Redaktion, Weydlingerstr. 14-16, 10178 Berlin: Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) hatte den 200. Geburtstag Robert Blums zum Anlass genommen, das Jahr 2007 zum Robert-Blum-Jahr auszurufen. Der DFW beließ es jedoch nicht bei dieser Geste, sondern organisierte gemeinsam mit der Freireligiösen Gemeinde Berlin (FRG) eine Festveranstaltung und eine wissenschaftliche Konferenz - beide in Berlin -, auf denen Robert Blum als standhafter Demokrat, als Freiheitskämpfer und Revolutionär und - was weit weniger bekannt ist - als einer der Begründer der deutsch-katholischen Bewegung in Deutschland gewürdigt wurde. Die Materialien beider Tagungen sind in der vorliegenden Publikation veröffentlicht. Sie enthält eingangs die Grußworte des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, und des Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper. In seinem außerordentlich anregenden Festvortrag ("Robert Blum - sein Wirken und Nachwirken", S. 15-29) wendet sich Hinrich Enderlein, Historiker und erster Kultusminister der Brandenburger Landesregierung unter Manfred Stolpe, zwei Aspekten der Biographie Blums zu. Zum einen spricht er sich gegen eine s. E. weitverbreitete Fehlinterpretation Blums als eines vorgeblichen "Visionärs" aus. Er sei vielmehr ein "Macher" gewesen, ein "Mann der Tat", auf "der einen Seite Überzeugungstäter und Idealist, auf der anderen Seite aber auch der parlamentarische Pragmatiker, der in einer Minderheitenposition Kompromisse schließen musste, um wenigstens Teile des angestrebten Ziels zu erreichen" (S. 17). Zum anderen beleuchtet er "einen ganz wichtigen Bereich" am Wirken Blums, der in der umfangreichen Literatur über ihn bisher "noch weitgehend ausgespart erscheint oder marginalisiert wird - das Spannungsfeld zwischen Politik und Religion" (S. 16). Wolfgang Heyn (Bernau) zeichnet in seinem Beitrag ein "Porträt [Robert Blums] anhang der historisch-politischen Literatur sei 1848" (S. 30-46). Er analysiert die unmittelbar nach der Ermordung Blums und unter diesem Eindruck in den Jahren 1848 bis 1850 veröffentlichten Schriften (gedruckte Trauerreden, Flugschriften, erste biographische Publikationen) ebenso, wie die ab der Mitte der 50er Jahre des 19. Jh. zunehmende Beschäftigung von Protagonisten der Arbeiterbewegung (Karl Marx, Franz Mehring, vor allem aber Wilhelm Liebknecht) mit der Person und dem Vermächtnis Robert Blums. Nicht ausgespart werden dabei die Kontroversen, die aus dem Bestreben von Hans Blum, dem ältesten Sohn Robert Blums, resultierten, diesen "für die Nationalliberalen zu vereinnahmen und der Sozialdemokratie das Recht abzusprechen, sich auf die mit dem Namen Robert Blum verbundenen revolutionären Traditionen zu berufen" (S. 42). H. spannt dann den Bogen über die im Zusammenhang mit dem 100. Jahrestag der 1848er Revolution erschienenen Publikationen zu der von Siegfried Schmidt 1971 in der DDR vorgelegten Blum-Biographie sowie den von Helmut Hirsch Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre angeregten Aktivitäten, Blum wieder stärker in das historische Bewusstsein zu rücken. Hans Jörg Schmidt (Schriesheim) beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem Thema "Revolution und Freiheit bei Robert Blum" (S. 47-59) und weist anhand der Schriften Blums im Detail nach, dass Blum mit dem Begriff "Freiheit" keinesfalls Allgemeinplätze, sondern ganz konkrete Freiheiten "für alle" verband: Freiheit der Person und des Eigentums, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Öffentlichkeit der Staatsgeschäfte, unabhängige Gerichte, keine Todesstrafe, Geschworenengerichtsbarkeit, Assiziationsrecht, allgemeines Wahlrecht, Pressefreiheit, Freizügigkeit und freier Handel und schließlich gerechter Lohn der Arbeit. Diese konkreten Resultate zu erreichen, war das Ziel des politischen und revolutionären Wirkens Robert Blums - in der Frankfurter Nationalversammlung ebenso wie bei seinem Agieren im revolutionären Wien. Ihn interessierte, so Sch., "weniger die theoretische Fundierung und der prozessuale Vorgang der Revolution, sondern auf das Resultat" kam es ihm an (S. 47). Frank Engehausen (Heidelberg) sprach über "Robert Blum in der Revolution von 1848" (S. 60-77). Ausgehend von der Fragestellung, welche herausragenden Persönlichkeiten der 1848er Revolution "auch den nachgeborenen Generationen als Leitfiguren erschienen und erscheinen, weil sie in einer historischen Umbruchsituation wegweisende politische Konzepte vertraten" (S. 60), sieht er solche Leitfiguren z.B. weder in Heinrich von Gagern und noch weniger in Friedrich Hecker, sondern am ehesten in derjenigen politischen Gruppierung, die zwischen dem vor der Verwirklichung des Gleichheitsprinzips zurückschreckenden Liberalismus und dem mit terroristischen Mitteln zumindest liebäugelnden linken Radikalismus stand, und den gemäßigten Demokraten. Deren "unumstrittener Führer [...] war Robert Blum" (S. 62). So weit, so gut. Wenn E. aber im weiteren dafür argumentiert, Robert Blum "das Etikett einer historischen Leitfigur [...] nicht anzuheften", weil er zum einen an den bewaffneten Kämpfen in Wien aktiv teilnahm und zum anderen "an den Entscheidungen, die der Nachwelt als die großen Errungenschaften der Frankfurter Nationalversammlung gelten, an der Verabschiedung des Grundrechtskatalogs im Dezember 1848 und an der Fertigstellung der Verfassung im März 1849, keinen Anteil mehr nehmen konnte" (S. 74), so ist das ein Stück aus der historiographischen Mottenkiste und verkennt in kleinlicher Art und Weise die Rolle, die Blum sowohl im Vormärz als auch während der Revolution spielte. Ute Janz (Ludwigshafen) referierte über "Robert Blum und die freie Religion" (S. 78-97), über ein Thema also, das in der bisherigen biographischen Literatur über Blum eher ausgespart geblieben ist. Das ist umso verwunderlicher, als Robert Blum an der Seite von Johannes Ronge zu den Begründern der gegen die römische Papstkirche gerichteten deutsch-katholischen Bewegung gehörte. Anhand der Archivbestände im Sächsischen Landeshauptarchiv Dresden zeichnet J. die Aktivitäten Blums für die Gründung der Deutsch-Katholischen Gemeinde in Leipzig und darüber hinaus für die Festlegung von inhaltlichen Grundsätzen des Gemeindelebens nach. Erwähnt sei an dieser Stelle nur sein konsequentes Eintreten für das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in den Gemeinden (S. 96), eines demokratischen Grundsatzes also, der im politischen und im Vereinsleben in Deutschland erst in der Weimarer Republik zum Allgemeingut werden sollte. Im Anhang werden drei "Robert-Blum-Lieder" veröffentlicht, darunter "Das neue Robert-Blum-Lied (Text: Kirsten Reuther, Musik: Isabel Neuenfeldt - 2007). Leider kann der Leser aus dem Vorwort des Hrsg. kaum erkennen, in welchem Zusammenhang dieses "Neue Robert-Blum-Lied" entstanden ist: Die FRG Berlin hatte für das Robert-Blum-Jahr 2007 den Auftrag zur Erarbeitung einer "Robert-Blum-Revue" vergeben. Die Autorin, Kirsten Reuther, hat diesen Auftrag in Gestalt einer Collage aus 1848er Revolutions- und Volksliedern, aus eigenen Texten (darunter das o.g. Lied) und aus zeitgenössischen Zitaten realisiert. Diese Revue ist zweifellos ein sowohl ästhetisch als auch philosophisch gelungener Versuch, aus gegenwärtiger Sicht - auf der Grundlage der Biographie Blums - die Wurzeln der Demokratieentwicklung in der Bundesrepublik aus einem ganz spezifischen Blickwinkel heraus zu beleuchten. Die Revue hat inzwischen mehrere Aufführungen sowohl in Berlin als auch in den alten Bundesländern erlebt. Wolf G. Angmeyer