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Bild Von der Illusion zur RealitÀt

Von der Illusion zur RealitÀt

BeitrÀge zu einer Philosophie der AufklÀrung, des Realismus und der Lebenskunst

Kategorie:
Naturwissenschaft + Philosophie
Bestellnr:
20936
Autor:
Schaare, Jochen
AusfĂŒhrung:
644 S., kart.
ISBN:
978-3-933037-25-1
Verlag:
Angelika Lenz Verlag

36,90 €*
*incl. 7% MwSt


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Inhalt:
Selbstdenken ist die Maxime der AufklÀrung, es geht um Autonomie des Denkens und um Selbstbestimmung im Handeln. Dem liegt ein Menschenbild zugrunde, welches die Jahrhunderte bis heute entscheidend geprÀgt hat.
Es ist gewiss kein Zufall, sondern Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, dass mit der Vergewisserung der universalen Grundlagen des Menschseins das Fundament seines politischen, ethischen und erkenntnistheoretischen Denkens legt. AufklĂ€rung ist zuallererst AufklĂ€rung ĂŒber sich selbst, ein Ausgang ins Freie, der Mut „allein zu gehen“, ohne Leitung eines anderen.
Das vorliegende Buch versteht der Autor als Beitrag zur AufklĂ€rung und Orientierung, denn der Mensch wird bestimmt durch das, was er glaubt oder erkennt. Auch ist es wahr, dass ohne eine SinnbemĂŒhung nicht recht gelebt werden kann; aber den jeweiligen Sinn schafft sich jeder aufgeklĂ€rte Mensch in Auseinandersetzung, durch Kritik und Übernahme der nationalen und europĂ€ischen Kulturvorgaben selber. Er ist diesseitig bestimmt, aber gewiss nicht traditionslos, nihilistisch oder kulturvergessen. Der Mensch ist ein Werdender, der stufenweise erst er selber wird.

Rezension:Das Philosophieren fĂ€ngt nicht immer mit dem Staunen und Sichwundern an, sondern ebenso aus dem Leiden und damit aus der Unversöhnlichkeit mit der Ungerechtigkeit und Unwissenheit. Aufgrund von mannigfaltigen Beobachtungen und Analysen, nach denen das Selbst- und Welterleben schmerzhaft dem Erkennenden ins Bewusstsein kommt, konzentriert sich der Autor im vorliegenden Buch auf die großen und weniger großen Philosophen, die in Deutschland und im Abendland das freie Denken lehrten. Diese reprĂ€sentative Auswahl bedeutender Selbstdenker der griechisch-römischen Antike und der deutschen und französischen AufklĂ€rung des 17. und 18. Jahrhundert bis hinein in die Gegenwart vermitteln ein eindrucksvolles Bild von der Vielfalt lebendiger Probleme in biographischen Skizzen un dAbhandlungen, mit denen Denker wie Voltaire, Diderot, Holbach, Thomasius, Kant, Nicolai, Abbt Garve, Voß, Heine, Feuerbach, Nietzsche, Freud, Bollnow, Goethe, Camus oder Demokrit, Seneca, Epiktet, Seneca, Cicero und Marc Aurel erörtert und dargestellt werden. In diesem schön gestalteten Band findet man daneben instruktive Essays mit realistischer, kompakter begrifflicher Diktion ĂŒber das VerhĂ€ltnis von Illusion un dRealitĂ€t und ĂŒber philosophische Ethik und realistische Lebenskunst. Die sachliche Wucht der Sprache des Autors ist an sich schon AufklĂ€rung und verleitet zum Weiterlesen. Das Buch ist eine große Antwort auf das Schicksal ĂŒberlieferter und zeitgenössischer AufklĂ€rung und ist diesbezĂŒglich ein Standardwerk, das auf die Erhaltung des Wissens zielt, das wir Deutschen und EuropĂ€er besitzen und das heute im Zeitalter des New Age, der Esoterik und des Fundamentalismus verloren zu gehen droht.
Der Autor entwirft in dem vorliegenden Buch ein breit angelegtes Panorama aufgeklĂ€rter religionskritischer Philosophie. Sein Blick richtet sich auf die großen Zentren der AufklĂ€rung in Frankreich und Deutschland, begreift aber die AufklĂ€rungsphilosophie in ihren europĂ€ischen Dimensionen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte die Philosophie MĂŒhe, sich von der theologischen Erbschaft und Bevormundung zu befreien. Vielleicht kann man sogar sagen, dass Holbach und Kant die ersten wahrhaft von der Scholastik unabhĂ€ngigen Denker waren, denen der stĂŒrmische Aufbruch des philosophischen Idealismus in Deutschland folgte, aus denen spĂ€ter die Lebensphilosophie und schlieißlich der Existentialismus, Positivismus und Pragmatismus erwuchsen. Die gediegenen Abhandlungen des Buches sind Instruktionen der AufrklĂ€rungsphilosophie, die man jedem denkenden und wissbegierigen Menschen gönnen und empfehlen mag und die Anlass geben mögen, eigene Forschungen zu intensivieren, zumal der Anmerkungs- und Literaturteil ĂŒber 100 Seiten betrĂ€gt.
Selbstdenken ist die Maxime der deutschen AufklĂ€rung schon lange vor Immanuel Kant. Es geht also um die Autonomie des Denkens und um Selbstbestimmung im Handeln. Dem liegt eine Menschenbildung zugrunde, die die Jahrhunderte bis heute entscheidend geprĂ€gt hat. Dies ist gewiss kein Zufall, sondern Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, welches mit der Vergewisserung der universalen Grundlagen des Menschseins das Fundament seines politischen, ethischen und erkenntnistheoretischen Denkens legt. AufklĂ€rung ist zunĂ€chst einmal AufklĂ€rung ĂŒber sich selbst, ein "Ausgang ins Freie", wie Kant fĂŒr die deutsche AufklĂ€rung sagt, der Mut, "allein zu gehen", ohne die Leitung der ideologischen Machthaber. Ein solcher Weg ist aber nicht traditionslos, nihilistisch oder kulturvergessen - ganz im Gegenteil -, sondern ein Weg, den der Mensch durch Kritik und Übernahme der nationalen und europĂ€ischen Kulturvorgaben gewinnt. Die StĂ€rke des Autors sind seine klaren Aussagen und Urteile.
Die Griechen haben als erste die Fragen gestellt, die die Philosophie bis heute beschĂ€ftigen, auch die Fragen des rechten Lebens. Sie haben grundsĂ€tzliche Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, die im Laufe der Philosophiegeschichte immer wiederkehren. Daher muss jedes Philosophieren zu ihnen zurĂŒckgehen. Wir erkennen in den Ereignisverkettungen, denen Seneca, Cicero, Demokrit, Epiktet oder Marc Aurel ausgesetzt waren und diese zum Selbstsein und zur Lebenskunst zwangen, paradigmatische LebenslĂ€ufe, die an unsere eigene geschichtliche Situation erinnern. Aber wir haben mehr Abstand vom Alpdruck der Geschichte, wie er etwa durch Jacob Burckhard geschildert wird, der den Untergang der griechischen Polis erzĂ€hlt. In antiker Gestalt ist alles vergangen und ins Zeitlose hinaufgehoben. Solche Klassiker der Geschichtsschreibung muss der gebildete Mensch kennen und daraus fĂŒr sich selbst als Lebenskunst, Religionsgeschichte und -philosophie zu lernen suchen. So ist es erstaunlich, mit welcher PrĂ€gnanz die Philosophen und ihre inhaltliche Substanz fĂŒr die Ethik und Lebenskunst auf verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig knappem Raum zusammengedrĂ€ngt wurden. So etwa in den Viten von Voltaire und Diderot. Diderot ist bekannt als einer der Großen der französischen AufklĂ€rung und als Herausgeber der EnzyklopĂ€die, jenes von Kirche und Königtum bekĂ€mpften Großwerkes, in dem die besten Köpfe, so auch der Freiheit von Holbach, mitwirkten und den zeitgenössischen Wissensstand in Naturwissenschaft (Holbach), Philosophie und Kunst zusammenfassten. Ganz Ă€hnlich die deutsche AufklĂ€rung unter Friedrich Nicolai, der die Allgemeine deutsche Bibliothek (ADB) mit 264 BĂ€nden herausbrachte. Dies trug erheblich dazu bei, dass im Zeitraum zwischen 1750 und 1800 der Anteil der theologischen Literatur auf 6 % sank (1625: 45,8 %). Das liegt u.a. daran, dass der Mensch der Neuzeit im wachsenden Maße nicht mehr den Religionslehren glaubt, die ihm ĂŒberliefert werden. Nun will er durch Selbstdenken erkunden, was seine Bestimmung sein soll. Der Autor versĂ€umt es aber nicht, auf die gegenwĂ€rtigen Gefahren von Desintegration in der Esoterik und im Fundamentalismus hinzuweisen, wo das Überwuchern der Phantasie- und Machtfunktionen zum bestimmenden Faktor und damit zu Gefahren von AufklĂ€rung und westlichen Demokratien werden können. In diesen Wahnwelten leben die Menschen wie in einem gefĂ€hrlichen Dschungel und verhalten sich dementsprechend mit magischen Ritualen und zauberĂ€hnlichen Stereotypen des Überlebenskampfes.
Der Autor vertritt eine tapfere agnostische und skeptische Geisteshaltung und gibt eine anspruchsvolle EinfĂŒhrung in das Denken und die Lebenskunst.