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Bild Die Erfindung des Bewu├čtseins - Glanz und Elend der Vorurteile

Die Erfindung des Bewu├čtseins - Glanz und Elend der Vorurteile

Kategorie:
Naturwissenschaft + Philosophie
Bestellnr:
20588
Autor:
Brandes, Lothar
Ausf├╝hrung:
399 S., kart.
ISBN:
978-3-9804597-0-9
Verlag:
Angelika Lenz Verlag

18,40 €*
*incl. 7% MwSt


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Inhalt:

Das Buch beschreibt die Stationen auf dem langen Weg der Entwicklung des Gehirns, den Wandel seiner Fähigkeiten von einfachen Koordinations- und Steuerungszentralen bei niederen Tieren bis hin zu den Bewertungssystemen des Menschen. Geist und neuronale Strukturen im Gehirn bedingen einander. Der Begriff der Seele ist damit revisionsbedürftig geworden. Das Buch versteht sich als der Versuch zu einer Neurophilosophie.


Rezension:

Rezension | Lothar Brandes: Die Erfindung des Bewusstseins. Glanz und Elend der Vorurteile


 


Der Autor führt uns in seinem Buch in eine wichtige philosophische und unter mehreren Gesichtspunkten erörterte Problemstellung: die Entstehung, Entwicklung und Funktionalität des menschlichen Bewusstseins. Neben der Klärung von Begrifflichkeiten ist es ein Anliegen des Buches, Zweifel und Skepsis als methodische Grundlagen unseres Wahrnehmungsvermögens, einer Überzeugung und erkenntnistheoretischer Überlegungen zu nutzen. Mit großem Fachwissen und philosophischer Herangehensweise wird das Entwicklungsdenken direkt auf das Werden des menschlichen Gehirns bzw. seines Vermögens als Koordinations-, Steuerungs-, Wahrnehmungs- und Bewertungssystem angewandt.


Brandes stellt den Wandel der Fähigkeiten des menschlichen Gehirns als Träger des Bewusstseins als eine sich weiter differenzierende Strukturierung dar und kommt zu der Aussage, dass auch das Bewertungs- und Beurteilungsvermögen des Menschen dadurch stets feiner und genauer wird. Für ihn ist die Schwierigkeit, dass der Mensch trodem nicht immer einhellige und klar Bewusstheitsresultate hervorbringt, ein zeichen dafür, dass das Ende des Entwicklungsprozesses des menschlichen Gehirns noch lange ncht in Sicht ist. Gewiss wäre eine Einbeziehung von Überlegungen über ideologische Prozesse als „verkehrtem Bewusstsein“ und von menschlichem Gattungsbewusstsein sehr aufschlussreich gewesen, aber die Verbindung von philosophischen und neurophysiologischen Erkenntnissen hat das Verhältnis von menschlichem Geist (Seele?) und neuronalen Strukturen, von Bewusstseinsvermögen und seinem materiellen Träger in ein neues Licht gestellt und uns eine Sicht auf neue und scheinbar alte Antworten geöffnet.


Von modernen Kenntnissen der exakten Wissenschaften, insbesondere der Neurophysiologie, ausgehend, zieht sich durch das Buch wie ein roter Raden der Gedanke der Evolution neuraler Systeme als Voraussetzung der Entstehung und Entwicklung des Bewusstseins. Dbei setzt sich Brandes auch mit Vorurteilen und starren Bewusstseinsinhalten auseinander. Letztlich bleibt für ihn kein Platz für theistische Positionen. Ganz im darwinistischen Sinne ist das menschliche Bewusstsein ein natürlich gewachsenes Produkt der Evolution, das in sich selbst Widersprüchlichkeit trägt. Und „... letztlich wird man sich aber der Einsicht unterwerfen müssen, dass die Wahrheit ein Produkt aus Idealen, Illusionen und Visionen bleibt. Vielleicht macht gerade dies ihre unerhörte Anziehungskraft aus.“


Dieses Buch, das erfrischend unkonventionell, manchmal - auch mit Recht - unsystematisch die Thematik darstellt, sollte jeder in die Hand nehmen, der sich für das Vermögen des menschlichen Gehirns interessiert. Es ist eine ausgezeichnete Grundlage, die Schwierigkeiten bei der Erfindung des Bewusstseins zu verstehen.


Dr. Volker Mueller, Falkensee


(erschienen in "Kristall" Heft 4/1996