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Bild ├ťber Tod & Teufel

├ťber Tod & Teufel

und Gott und die Welt

Kategorie:
B├╝cher anderer Verlage
Bestellnr:
20209
Autor:
Mohnike, Ernst
Ausf├╝hrung:
150 S., kart.
ISBN:
978-3-925800-12-2
Verlag:
BUSS

9,50 €*
*incl. 7% MwSt


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Inhalt:

Wir haben das alle auf die eine oder andere Art und Weise bereits erfahren: Wir schauen einen Gegenstand, ein Gebäude, eine Skulptur an, sehen, erkennen etwas, wechseln den Standort und haben eine andere Wahrnehmung. Nicht anders sollte es uns ergehen, wenn wir Meinungen, Erkenntnisse "wahrnehmen". Aber da fällt es uns irgendwie schwerer "den Standort", die Position zu wechseln. Dieses Buch lebt von dem Wechseln des Standortes und der Autor, Ernst Mohnike, legt es darauf an, die Welt "mit anderen Augen" zu schauen. Dieses "unterschiedliche sehen" Wollen ist Resultat der Mitarbeit in unterschiedlichsten Verbänden, z.B. 1984 bis 1992 in einem "Deutsch-Türkischen Arbeitskreis" - nicht unbedingt normal zu der Zeit. Prägend waren die Vorstandsarbeit im "Council" der bei den Vereinten Nationen akkreditierten "International Association for Religious Freedom" (1987-1993), und im "Verband freier Weltanschauungsgemeinschaften, Hamburg"; aber auch die FDP, für die er sowohl für den Deutschen Bundestag als auch für das Europäische Parlament kandidierte, war eine große Lehrmeisterin. Auf die Zeit des "Machens" folgte die Zeit des Lehrens erst als Leiter einer Bildungsstätte, dann als Lehrer an einer Gewerbeschule in Hamburg. Die hier abgedruckten Beiträge wurden für die Sendereihe "Freiheit und Verantwortung" geschrieben, die regelmäßiger Bestandteil des Magazins "Blickpunkt Diesseits, Magazin aus Religion und Gesellschaft" von NDR Info ist.


Rezension:

Freigeistige Impulse zum Nachdenken Rezension zum Buch „Über Tod & Teufel und Gott & die Welt“. Die besten Beiträge aus der Sendereihe „Freiheit und Verantwortung“, NDR Info. Von Ernst Mohnike. ISBN 978-3-925800-12-2. Wolfgang E. Buss Verlag Hamburg, 2010. 148 Seiten. Freie Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben seit vielen Jahren die Möglichkeit, in gewissen Abständen im Norddeutschen Rundfunkt NDR ihre Positionen in der Sendereihe „Freiheit und Verantwortung“ verbreiten. Der Deutsche Volksbund für Geistesfreiheit, der seit 1991 der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) ist, sowie der Verband Freier Weltanschauungsgemeinschaften Hamburg, die Freien Humanisten Niedersachsen und die Deutschen Unitarier haben diese Sendereihe unterstützt und wesentlich mit getragen. Im Vordergrund der Beteiligung an dieser Sendereihe stand stets die Verbreitung freigeistigen Gedankenguts und freireligiöser, unitarischer und humanistischer Weltanschauungen in guter liberaler und toleranter Tradition. Entscheidend waren auch die Persönlichkeiten, die Beiträge in dieser Sendereihe beim NDR-INFO (vorher NDR 4) getragen haben und sie präsentierten. Dazu gehört vor allem Ernst Mohnike. Seit den 70er Jahren wurden diese freigeistigen Sendebeiträge möglich, durch Fritz Hermann (1907 – 1987), Fritz Bode (1931 – 2008), Jürgen Gerdes und andere gefördert und begleitet. Mehrere Texte und Reden als Einzeldrucke von verschiedenen Autoren und Sprechern wurden bis in die 90er Jahre auch in „Homo Humanus“ bei der damaligen Eekboom-Gesellschaft für freigeistige Kultur veröffentlicht. Das nun von Mohnike vorgelegte Buch belegt eine wichtige Seite öffentlicher freigeistiger Tätigkeit: die wirkungsvolle kontinuierliche Rundfunkarbeit freigeistiger Verbände, die in vielen anderen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland nicht möglich war und ist. Die ausgewählten Rundfunkbeiträge und Redemanuskripte von Ernst Mohnike werden meist erstmals in dem vorgelegten Buch publiziert. Natürlich wurden die Radiobeiträge mit Musik, wechselnden Sprechern und einer genauen zeitlichen Länge (entsprechend der Sendezeit) versehen, was in dem Buch nicht wiedergegeben wird bzw. werden konnte. Im Vorwort stellt Ernst Mohnike seine Anliegen und freigeistigen Ansprüche dar. Seine „Leitgedanken“ (S. 8) durchziehen seine Buchbeiträge, diese sind: „ - die ‚Wahrheiten‘ der Religionen und ihre gemeinsame Verantwortung, - das Zusammenwirken, ja auch die Abhängigkeit von Politik und Religion, z.B. auch zwecks Absicherung und Begründung von Machtansprüchen, - die Freiheit des Glaubens und das Bemühen um politisch/ staatlich legitimierte Indoktrination in Deutschland und - das Problem der Beständigkeit, auch der Fragwürdigkeit von Werten und Normen, im Rahmen von Religion und Weltanschauung.“ Das Buch ist in drei inhaltliche Teile gegliedert: In dem 1. Teil „Religion und Politik“ (ab S.11) befasst sich Mohnike mit dem wichtigen Thema des Verhältnisses von Staat und Kirchen, von Politik und Religion und betont sowohl die wichtige Religions- und Weltanschauungsfreiheit als auch die Trennung von Staat und Kirche. Die rechtsstaatlichen und religionsphilosophischen Entwicklungen von Toleranz und Intoleranz sind für ihn dabei ebenso wichtig wie die internationale Dimension der weltanschaulich neutralen Staatlichkeit - etwa in der Europäischen Union und deren Grundrechte-Charta. Beim berechtigten kritischen Bewerten der kirchlichen Sektenbeauftragten hat m.E. Mohnike die Gefahrenpotenziale etwa von Scientology Church nicht beachtet bzw. sich mit den von ihr ausgehenden wirklichen Gefährdungen nicht ausreichend auseinandergesetzt. Der 2. Teil „Eine Religion für eine Welt“ (S. 73) stellt die Internationalität der religiösen Toleranz und der sich daraus ergebenden Verantwortung heraus. Eingegangen wird auf Küngs Weltethos und dem Engagement für den Weltfrieden sowie die auf die Anstrengungen der IARF für religiöse Freiheit auf der Welt. Der ganzheitliche unitarische Blick von Mohnike auf das menschlich Wesentliche und auf die Notwendigkeiten, ein Neues Denken in Freiheit zu entwickeln, ist stets spürbar und bringt seine individuellen Eigenheiten zum Ausdruck. Mit „Werte und Normen – nichts bleibt wie es ist“ (S. 103) ist der 3. Teil überschrieben. Mohnike diskutiert den Wertewandel, den heute viele als Werteverfall empfinden. Gerade die wirtschaftlichen Krisenentwicklungen führen ihn zu kritischen Sichten auf unsere Gesellschaftsentwicklung und auf die Ethik. Unzulänglichkeiten und Widersprüche unserer Gegenwart verbinden sich jedoch mit Ansätzen für Lösungen, die im persönlichen und gemeinschaftlichen Handeln liegen können. Kritik führt zu Zukunftsgewissheit. Dabei ist der beständige Wertewandel ein steter Wegweiser für Mohnike. Mohnikes Überlegungen zum Religions- und Ethikunterricht (schon S. 67 ff.) haben ihre zeitliche Berechtigung. Allerdings ist das Abmelden vom konfessionellen Religionsunterricht und das Besuchen eines Ethikunterrichts keine Drückebergerei, sondern ein Grundrecht. Dabei sehen wir heute viel mehr die Notwendigkeit, einen integrativen Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren konfessionellen Bindungen einzuführen und durchzusetzen. Seine Darlegungen zu satanistischen Inhalten könnte man sich etwas differenzierter wünschen: Es liegen Welten zwischen den „Satanischen Versen“ und den gefährlichen Auffassungen Crowleys. Auch hier, wie schon bei der Sekten-Thematik, sollte man die Kritikwürdigkeit nicht gleich negieren, nur weil die kirchlichen Sektenbeauftragten aus ihrer Konkurrentensicht z.B. Scientology oder den Satanismus Crowleys verdammen. Gefahren für die Religionsfreiheit und für die Menschenwürde entstehen wohl von allen diesen Seiten, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Es liegt uns insgesamt ein sehr lesenswertes Buch vor, das wichtige Impulse für kritisches freies Denken und eine freigeistige Lebensanschauung gibt. Das Buch schärft und verändert unsere Wahrnehmungen durch den Wechsel der Sichtweisen und Standorte. Ernst Mohnike regt an, sich auseinanderzusetzen und mit ihm zu diskutieren. Das will er. Januar 2011. Dr. Volker Mueller, Falkensee