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Bild Die Religion der Regenw├╝rmer

Die Religion der Regenw├╝rmer

Erbauliche Traktate ├╝ber den Sinn und den Unsinn des Lebens

Kategorie:
Belletristik
Bestellnr:
21015
Autor:
Dahms, Victor
Ausf├╝hrung:
104 S., kart.
ISBN:
978-3-933037-80-0
Verlag:
Angelika Lenz Verlag

9,90 €*
*incl. 7% MwSt


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Inhalt:
Reisen macht dumm, Sport gef├Ąhrdet Ihre Gesundheit, Klonen ist gut, die Fernsehgemeinschaft ist die moderne Form der Ehe ÔÇô
Victor Dahms betrachtet einige Aspekte unserer westlichen Zivilisation aus ungewohnter Perspektive und kommt dabei zu irritierenden, unerh├Ârten und ungeh├Ârigen Erkenntnissen.

Rezension:Eine wirklich gute Unterhaltung!
Kundenrezension auf Amazon (von "Bertel"):

Es handelt sich um ein von Ironie gepr├Ągtes Buch, das sich mehrerer Themen der menschlichen Gesellschaft in kurzen in lockerem Zusammenhang stehenden Traktaten auseinandersetzt. Zur im Titel des Buches angesprochenen Religion der Regenw├╝rmer f├╝hrt der Autor unter anderem exemplarisch aus (Seite 85): ÔÇ×Die Religion der Regenw├╝rmer ist bestimmt sehr erdverbunden. Sie wird im Gegensatz zu unseren menschlichen Spielarten frei von Todesfurcht und nicht so kopflastig sein, weil der Kopf des Wurms vom anderen Ende kaum zu unterscheiden ist, was bei Menschen nicht immer der Fall ist. Da der Wurm kein R├╝ckgrat hat, w├Ąre er f├╝r die h├Âchsten Kirchen├Ąmter wie geschaffen. Jedem Mist k├Ânnte er sich anpassen.ÔÇť
In ÔÇ×Schwein gehabt!ÔÇť geht Dahms auf mitunter sehr witzige ├ťbersetzungsfehler ein.
Sehr gelungen finde ich auch ÔÇ×PariasÔÇť, wo der Autor unter anderem festh├Ąlt, dass in Politikerblut unterschiedliche lebensbedrohliche Substanzen festgestellt wurden, weswegen Politiker nach dem Tod nicht begraben oder verbrannt werden d├╝rften. Ihr Leichnam solle als Sonderm├╝ll in einer Deponie entsorgt werden.
Das Buch besticht durch seine Unterhaltsamkeit und seinen gelungenen Spott an der menschlichen Gesellschaft. Der Autor erweist jedenfalls als sehr humorvoller Mensch. Daher meine f├╝nf Sterne und eine Kaufempfehlung.

++++++++++++++++++++

Aus: Wege ohne Dogma, Heft 10, Oktober 2010 von E. Pilick

Als ich das Buch vom Verlag mit der Bitte um eine Besprechung zugeschickt bekam, wunderte ich mich dar├╝br, dass ein Autor die ungew├Âhnliche Bezeichnung "Traktate" f├╝r seine Ver├Âffentlichungen gew├Ąhlt hat.
Denn dieser Begriff l├Ąsst zun├Ąchst auf ein frommes Bekehrungswerk schlie├čen, ein Eindruck, der durch das Adjektiv "erbaulich" noch verst├Ąrkt wird. Allerdings steht beides in krassem Gegensatz zum irrwitzigen Titel "Die Religion der Regenw├╝rmer". Ich muss zugeben, dass ich mich nur wegen dieser paradoxen Kombnation sowie aufgrund einiger Leserstimmen ├╝berhaupt zur Lekt├╝re bereit gefunden habe. In der Wikipedia hei├čt es:
"Ein Traktat ... ist eine kurze schriftliche Abhandlung ├╝ber ein Thema. Oft werden im Traktat religi├Âse, philosophische, kulturelle, politische, moralische oder (natur-)wissenschaftliche Themen behandelt ... Durch die h├Ąufige Verwendung zu didaktisch-dogmatischen Zwecken hat der Traktat im Deutschen einen negativen Beiklang ... Heute werden Traktate oft zur Verbreitung religi├Âser oder politischer Ideologien eingesetzt. Traktate erheben in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch. Sie zielen viel mehr darauf ab, die betreffenden Ideen allgemein verst├Ąndlich und mit gro├čer ├ťberzeugungskraft darzustellen."
Didaktisch-dogmatische Zwecke? Und dann den Gipfelpunkt der Kultur, die Religion n├Ąmlich, das Spezifische des Menschen, das ihn vom Tier unterscheidet, in Beziehung zu setzen zu dem auf der niedrigsten Stufe der Fauna befindlichen Wurm? M├╝sste da nicht eigentlich der Untertitel des Buchs "zynische" Traktate lauten? Zumindest sind einige dieser Beitr├Ąge alles andere als erbaulich, sondern schwer verdaulich.
Der ├ärger beim Lesen stellt sich geich zu Anfang ein. Den letzten Zweck der menschlichen Existenz in seiner vornehmlichen F├Ąhigkeit darin zu erblicken, Sauerstoff in Kohlenstoff umzusetzen, ist schlechterdings makaber und f├╝r mich das genaue Gegenteil von Sinnhaftigkeit des Lebens. Das Wesen der Ehe, der h├Âchsten Form des menschlichen Daseins, im gemeinschaftlichen Fernsehen zu sehen, den Sport als etwas Dekadentes und die Gesundheit Gef├Ąhrdendes, das Klonen hingegen und andere bedrohliche Genmanipulationen als erstrebenswert zu beschreiben, all das hindert mich daran, das Buch den Lesern dieser Zeitschrift als Lekt├╝re zu empfehlen. Es geht bis an die Grenze des Erlaubten und oft genug dar├╝ber hinaus.
Die Traktate ├╝ber "Christliche Werte" und das Kreuz als ihr Symbol scheinen mir blanker Hohn zu sein, der ironisch hinter gespielter Ernsthaftigkeit verborgen wird. Zumindest die angef├╝hrten Bibelzitate sind freilich korrekt. Sie wurden allerdings so ausgew├Ąhlt, dass alle zu einander in Widerspruch stehen. Wenn Jesus beispielsweise gebietet, Eltern, Gattin und Kinder zu lieben, aber an anderer Stelle verlangt, sie s├Ąmtlich zu verlassen, dann hebt Victor Dahms die Antinomie scheinbar dadurch auf, dass er sagt: "... man kann tats├Ąchlich viel besser seine Familie aus der Ferne lieben, nachdem man sie erst einmal verlassen hat." Theologische Exegesen sucht man in diesem Aufsatz vergeblich.
Bei der ersten Abhandlung ├╝ber das Sonnwendfeuer und den Sinn des Daseins bleibt man vielleicht noch wegen der vielen kulturhistorisch belegten Zusammenh├Ąnge im Zweifel, ob man es hier bei dieser Publikation mit Verspottung zu tun hat oder nicht. Bei der n├Ąchsten ├╝ber den S├╝ndenbock ist man dagegen wieder von der Seriosit├Ąt und der durchaus eigenwilligen Sicht ├╝berzeugt, um ab der 3. ├╝ber Gin und Gen oder das Kapitel ├╝ber beliebte kosmetische Eingriffe endg├╝ltig den Kopf zu sch├╝tteln. Besonders schlimm scheint mir jedoch, dass nachpr├╝fbare religions- oder geisteswissenschaftliche Tatsachen oft ├╝bergangslos mit sarkastischen Ausdeutungen vermischt oder in einander gewoben werden.
Der Verlag sandte mir ein paar Kommentare einiger Leser, die durchweg Lob und Zustimmung zum Ausdruck brachten. So schriebt z.B. der Philologe Dr. K├Âbes: "... vielen Dank f├╝r die erbaulichen Traktate von Victor Dahms: sp├Âttische, intelligent geschriebene und vor keiner Autorit├Ąt wankende Abhandlungen ... Ich habe sie heute in einem Rutsch gelesen, schade, dass ich den Artikel ├╝ber Scoptophilie nicht vorher kannte, ich h├Ątte ihn glatt f├╝r ein Kabarett zum Thema Glotze ausgebeutet ..."
Wer hingegen wirklich ernsthaft nach dem Sinn des Daseins sucht - und Religion, auch eine freie und undogmatische, ist ihrem Wesen nach nichts anderes, als die positive Antwort auf dieses existenzielle Bed├╝rfnis -, der wird das religi├Âs d├╝rftige B├Ąndchen unbefriedigt beiseite legen. Dem Autor scheint n├Ąmlich ├╝berhaupt nichts heilig zu sein, noch nicht mal die Religion.
Die ├╝brigen Artikel sind allenfalls vergn├╝gliche Plaudereien ├╝ber einige meinetwegen zeittypische Facetten unserer Gesellschaft. Trotzdem ist das Buch schlicht und einfach ein ├ärgernis, auch wenn manche Gedanken darin durchaus einen ungew├Âhnliche und unerh├Ârte Sicht auf altbekannte Ph├Ąnomene unseres Alltags er├Âffnen.